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Blick in den Himmel über Berlin: Die
neue Universitätsbibliothek
Die Universität hat für ihr Jubiläum sechs
Kernprojekte ausgewählt. Diese stellen wir in den nächsten Ausgaben im
Einzelnen vor. Heute: das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum. Ein Gespräch
mit Dr. Milan Bulaty, Direktor der Universitätsbibliothek
Am 19. November 2009 wird das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum feierlich eröffnet und der Öffentlichkeit bei einem Tag der offenen Tür präsentiert. Was unterscheidet die neue Universitätsbibliothek von anderen Bibliotheken in der Stadt?
Das Besondere ist zum einen der Umfang des Freihandbestandes, da wir zwölf Zweig- und Teilbibliotheken aus den Bereichen Geistes- und Kulturwissenschaften sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in die Zentralbibliothek integrieren. Zwei Millionen Medieneinheiten werden den Nutzern im Freihandbereich zur Verfügung stehen, aber auch ältere Bestände aus den Magazinen werden teilweise offen zugänglich sein. Das ist im deutschsprachigen Raum einmalig.
Werden Ausleihe und Lesesaal das Haus dominieren?
Es wird viele Bereiche geben, die über einen reinen Bibliotheksbetrieb hinausgehen: Räume für Ausstellungen, ein Auditorium mit 180 Plätzen, eine Cafeteria und eine Zeitungslounge zur Erholung. Wir möchten keine Schwellen für die Nutzung des Grimm-Zentrums aufbauen, deshalb wird die Bibliothek für alle wissenschaftlich interessierten Bürger kostenlos zugänglich sein. Das Grimm-Zentrum wird werktags von acht bis 24 Uhr und am Wochenende von zehn bis 18 Uhr geöffnet sein – das ist für Berliner Verhältnisse schon etwas Einmaliges. Wer aber Medien nach Hause ausleihen möchte, muss sich natürlich anmelden.
Studierenden Eltern soll das Lernen erleichtert werden. Was planen Sie genau?
Ein Eltern-Kind-Bereich wird in der 7. Etage räumlich und akustisch vom Lesesaal getrennt entstehen und mit einem Spielbereich und einer Kinderbibliothek ausgestattet, um Eltern das Studieren im Beisein des Kindes zu ermöglichen.
Arbeitet die Bibliothek wieder eng mit dem Computer- und Medienservice (CMS) zusammen?
Ja, wir haben das Erwin-Schrödinger-Zentrum in Adlershof zum Vorbild. Es gibt einen frei zugänglichen PC-Pool mit 180 Arbeitsplätzen, Videokonferenzräume und Multimediaarbeitsplätze. Nutzer erhalten die Dienstleistungen beider Einrichtungen unter einem Dach. Mit der Aktion Humboldt unterwegs möchten wir zeigen, dass Wissenschaft zum Alltag und der Lebenswelt eines jeden gehört. Auch für Nicht-Akademiker soll deutlich werden, wie Forschung und Lehre an der Humboldt-Universität aussehen und welche Rolle die Universität für die Stadt spielt.
Wie viele Mitarbeiter werden bei diesem umfangreichen Angebot im Grimm-Zentrum arbeiten und mit wie vielen Besuchern rechnen Sie täglich?
120 Mitarbeiter, auch aus den Bereichen Verwaltung und EDV, die für das gesamte Bibliothekssystem der HU zuständig sind, werden im Grimm-Zentrum arbeiten. Wir rechnen mit bis zu 5.000 Besuchern am Tag.
Sind Sie mit der Architektur des Gebäudes zufrieden?
Ja sehr. Gefordert war ein großer zentraler Lesesaal mit kurzen Wegen zu den Bücherregalen. Das Architekturbüro Dudler hat sich dafür eine pfiffige Lösung einfallen lassen. Über räumlich abgestufte Leseterrassen hat jeder Nutzer Zugang zu den Freihandbeständen in den unterschiedlichen Etagen und hat freie Sicht in den beeindruckenden Lesesaal – das Herz der Bibliothek. Faszinierend ist, dass der gesamte Lesesaal durch ein Glasdach belichtet wird. Jeder Nutzer hat beim Lernen und Arbeiten einen freien Blick in den Himmel über Berlin.
Wie kam es zur Namensgebung?
Jacob und Wilhelm Grimm haben das Wörterbuch der Deutschen Sprache verfasst und sich politisch engagiert. Daher sind sie ausgesprochen gute Namensgeber für unser Gebäude. Unter unseren Spezialsammlungen befindet sich auch die Privatbibliothek der Brüder Grimm mit wertvollen handschriftlichen Anmerkungen.
Worauf freuen Sie sich am meisten?
Dass die Universitätsbibliothek nach 176 Jahren wechselvoller Geschichte endlich ein eigenes Haus bekommt, in dem sich die Nutzer und Mitarbeiter wohlfühlen, in dem geistige Freiheit erlebbar wird, in dem moderne Technik und Architektur beides unterstützen.
Das Gespräch führte Constanze Haase