Begrüßung zu Beginn des Festaktes
Begrüßung zu Beginn des Festaktes
Begrüßung zu Beginn des Festaktes:
„Mein lieber Staatsminister Freiherr von Altenstein, Graf zu Dohna und Gross-Kanzler Beyme“: Mit der Begrüßung von Politikern begann die institutionelle Geschichte der Berliner Universität im Jahre 1809, mit der Begrüßung von Politikern beginnt auch der festliche Auftakt des zweihundertjährigen Jubiläums dieser Gründung, den wir heute miteinander feiern wollen: Verehrter, lieber Herr von Weizsäcker, lieber, verehrter Herr regierender Bürgermeister, verehrte Damen und Herren Abgeordnete aus Bund und Land, und natürlich: verehrter, lieber Herr Senator Zöllner, lieber Altsenator Ehrhardt und so weiter und so fort – ich bitte um Nachsicht, wenn ich jetzt und im Folgenden nicht alle nenne, die es nicht nur aus Gründen der Höflichkeit mehr als verdient hätten.
Die Politiker zu Beginn zu nennen, ist mehr als angemessen. Denn es waren im nämlichen Jahre 1809 in Berlin eben keine Magister und Scholaren, die sich frei zu Genossenschaften und Institutionen des höheren Unterrichts verbanden, wie im elften und zwölften Jahrhundert in Bologna und Paris, verehrte Magnifizenzen und Präsidenten der hochehrwürdigen Universitäten, die sie uns von nah und fern die Ehre des Besuchs erweisen, liebe Frau Wintermantel, liebe Präsidenten von Akademien der Wissenschaften unseres Landes, nein, 1809, mitten in einer existenzbedrohenden Krise des preußischen Staates, waren auch schon die Politiker entscheidend. Bekanntlich war es einer kleineren Gruppe von Professoren gelungen, den zuständigen Sektionschef im preußischen Kultusministerium für die Idee der Gründung einer Reformuniversität in Berlin zu begeistern und dieser Sektionschef hatte seinen König begeistert: Der Name des einen ist allseits bekannt, wir alle schwärmen von Wilhelm von Humboldts einzigartigen dreizehn Monaten in der preußischen Kultusbürokratie; den Namen des anderen trug unsere Universität bis 1945 und das gern verbreitete Bild eines scheuen, dazu noch stotternden Hohenzollern hat wenig mit der historischen Realität zu tun: Friedrich Wilhelm III., der am 16. August 1809 im Königsberger Exil das eigentliche Gründungsdokument der Berliner Universität unterzeichnete: „Die von euch (sc. den genannten Herren Altenstein, Dohna, Beyme und eben dem geheimen Staatsrat von Humboldt) vorgetragene Angelegenheit wegen der Einrichtung einer allgemeinen und höheren Lehranstalt in Berlin, finde ich für höhere Geistesbildung im Staat und auch über die Grenzen desselben hinaus, für die Er-haltung und Gewinnung der ersten Männer jeden Faches und für die Verbindung der in Berlin vorhandenen Akademien, wissenschaftlichen Institute und Sammlungen zu einem organischen Ganzen so wichtig, daß ich die Errichtung einer solchen allgemeinen Lehranstalt mit dem alten hergebrachten Namen einer Universität, und mit dem Recht zur Erteilung akademischer Würden nicht verschieben, ihr ihren Sitz in Berlin anweisen, dabei aber die Universitäten Königsberg und Frankfurt bestehen lassen will“.
„Verschieben“ – der König hätte gut formulieren können: Ich will hier nicht weiter verschieben, denn spätestens seit 1807 dachte man hier in Berlin ernsthaft über eine reformorientierte höhere Lehranstalt nach und so begrüße ich eigens auch die Nachfahren der politischen Akteure, die damals halfen, die Ideen der Professoren, von Theodor Anton Heinrich von Schmalz, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Christoph Wilhelm Hufeland, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Karl von Savigny, zu modifizieren und zu realisieren: den Prinzen von Hohenzollern, die Humboldt-Nachfahren von Heinz aus Tegel und Herrn Kollegen von Beyme aus Heidelberg.
Im Unterschied zu den Universitätsgründungen des Mittelalters forderten die Gelehrten zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts die institutionelle Konstitution ihrer Freistatt vom Staat und Humboldts wunderbare, im meisterlichen Bericht „an den König“ vom 10. bzw. 24. Juli 1809 geäußerte Idee, die Universität auf der Basis von säkularisiertem geistlichen, katholischen Besitz in Schlesien mit Domänengütern auszustatten, ist bis auf den heutigen Tag allenfalls in Ansätzen realisiert worden: Ich grüße die Vertreter der Stiftungen und sonstigen Institutionen, die einen nicht geringen Teil zu unserem viel zu geringen Etat beisteuern, die Stifter und Mäzene, denen wir selbst in einer schweren Wirtschaftskrise großherzigste Zuwendungen verdanken, ich nenne stellvertretend für viele Frau Scheibler von der Alfred Freiherr von Oppenheim-Stiftung und Herrn Regge von der Fritz Thyssen Stiftung.
Since 1948 this University is named after the two Humboldt-Brothers,
Wilhelm and Alexander von Humboldt. Alexander was a member of the
Prussian Academy and as such had the privilege to give lectures at
university and so he delivered his well known public lecture-series,
the so-called “Kosmos-Vorlesungen”, which belong to the most successful
lecture-series in German intellectual history in terms of people
attending. Alexander von Humboldt was not sure whether he should
consider himself a Frenchman or a German, an American or even a
Prussian. Therefore, ladies and gentlemen, I would like to address you
with a few words in English, the lingua franca of our time.
This ceremonial act is – such as our German universities in general –
quite German in its character. I promise to you today that the three
hundredth anniversary of our university will be celebrated in a much
more international manner. Apart from the German language we will then
hopefully also engage with the other languages of Alexander von
Humboldt, such as French, Spanish, and not to forget Russian. And maybe
– as a scholar of the ancient world I may express this hope – also once
again Latin and, I suppose, Chinese, additionally. For the time being,
I am thoroughly convinced that all of you, regardless of your native
languages, will understand the music by our former student Felix
Mendelssohn Bartholdy, the music we will enjoy during this ceremony. We
are deeply grateful for the honour which you have conferred upon us by
your visit and by attending this ceremony. We very much hope that our
ceremony may be both, a joyful and a thought-provoking occasion, and as
such a successful prelude to our anniversary. A very warm and sincere
welcome to all of you!
Wir feiern, verehrte Damen und Herren, heute nur den Auftakt unseres
Jubiläums, so, wie die königliche Ordre vom 16. August 1809 auch nur
den Auftakt bildete – die Vorlesungen der vier Gründungsprofessoren
Schmalz, Wolf, Schleiermacher und Fichte begannen im November 1809 im
Palais des Prinzen Heinrich unter deplorablen Bedingungen, übers Jahr
wurde jeweils weitere Mediziner, Juristen, Philologen, Chemiker,
Physiker, Mathematiker und Biologen berufen, im August 1810 Entwürfe
für ein allgemeines Universitätsgesetz vorgelegt und am 10. Oktober
1810 begannen die Vorlesungen ganz offiziell mit 53 Dozenten, 116
Vorlesungen und einer deutlich geringeren Zahl an Studenten. Wir
erinnern an die lange und verwickelte Gründungsgeschichte dieser
Universität, in dem wir von heute an ein reichliches Jahr feiern bis
zum feierlichen Abschluß im Dezember 2010. Der nach langen Mühen
dann schlußendlich im Herbst 1810 erfolgten Eröffnung der Berliner
Universität wollen wir gemeinsam mit der Charité und der
Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 6. Oktober 2010
in Anwesenheit des Bundespräsidenten im Rahmen des Wissenschaftsjahres
Berlin 2010 gedenken, denn die erwähnte Kabinettsordre des Königs aus
dem Jahre 1809 spricht (wir haben es eben gehört) von dem „einen
organischen Ganzen“, der neuen Universität, der Akademie der
Wissenschaften, der Charité und den musealen Sammlungen der Stadt,
unter denen „jeder Teil eine angemessene Selbständigkeit erhalte, doch
gemeinschaftlich mit dem anderen zum allgemeinen Zweck mitwirke“ – da
sind wir uns ja glücklicherweise ganz einig, liebe Kollegen Einhäupl,
Parzinger und Stock, die ich sie auch ganz herzlich hier begrüße, wie
die Kollegen der Berliner Wissenschaftseinrichtungen insgesamt
auch.
Nun bleibt mir nur, alle die sehr herzlich zu grüßen, die ich bisher
zu grüßen versäumt habe und ihnen allen, sehr verehrte Damen und
Herren, einen ebenso anregenden wie unterhaltsamen Auftakt unseres
Jubiläums zu wünschen und meiner ganzen Universität ein strahlendes,
uns alle beflügelndes Jubiläumsjahr 2009/2010. Vielen Dank für Ihre
Geduld!