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Berlin - Hauptstadt für die Wissenschaft 2010

Rede Thomas Heilmann

Eröffnung des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums

Rede Thomas Heilmann zur Eröffnung des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums

Der erste Grund ist der offensichtlichste und vielleicht auch der Banalste: Diese wunderbare neue Universitätsbibliothek trägt den Namen von zwei großartigen Sprachwissenschaftlern. Den Gebrüdern Grimm, deren Wirken deutlich über ihre Märchensammlungen hinaus, gewürdigt werden muss. Auch der zweite Name ehrt zwei Personen. Die ursprünglich Friedrich-Wilhelm genannte Universität wurde in Humboldt umbenannt, um an den Initiator Wilhelm von Humboldt, aber auch das Wirken des weltweit vielleicht bedeutendsten deutschen Gelehrten, Alexander von Humboldt zu erinnern.

Der zweite Grund wird Ihnen vielleicht nicht bewusst sein. Beide Brüder Humboldt hatten großzügige Förderer. Dass war zuerst der preußische Staat beziehungsweise das Königshaus. Dies war umso erstaunlicher, als 1806 nach dem militärischen Zusammenbruch Preußens gegen Frankreich die fälligen Kriegsentschädigungen und die Zerstörungen, die Napoleon in Preußen hinterlassen hatte, die finanzielle Situation äußerst prekär war.  In Humboldt und damit in Forschung und Bildung wurde dennoch üppig investiert, wahrlich nicht zum Schaden Berlins, wie man heute weiß. Für die aufwendigen Forschungsreisen von Alexander von Humboldt warb dieser viele Förderer. Die Liste liest sich beeindruckend: Sie reichte vom spanischen Hof, über den englischen Prinzregenten und späteren König Georg IV, über Zar Nikolaus bis zum amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson. Dabei lebte er in Paris. Also gerade im Land des Kriegsgegners, der bekanntlich erst 1814 bezwungen wurde.

Während den Humboldts die Herrscher halfen, verdanken wir wenige Jahrzehnte später dem Bürgertum und ihren Spenden, dass auch die Gebrüder Grimm ihre reichhaltige und bahnbrechende Forschung fortsetzen konnten. Als Teil der Göttinger Sieben stritten die Grimms für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Beide wurden mit fünf anderen Professoren König Ernst August I. von Hannover aus der Universität Göttingen entlassen. Ein überregionales Komitee von Bürgern mit Zentrum in Leipzig zahlte den entlassenen Professoren aus Spendengeldern die Gehälter weiter. Die Grimms fanden später Schutz und Anstellung in Preußen und kamen so nach Berlin. Jacob und
Wilhelm halfen – erneut unterstützt von Spendern - , die Menschenrechte in Deutschland zu formulieren. Jacob Grimm wurde 1848 Abgeordneter der Paulskirche.

Wenn schon die erfolgreichen und gut situierten Brüder Humboldt und Grimm für Ihre hervorragende Forschung und Lehre (das gilt ja für alle vier!) großzügige Unterstützer brauchten, dann gilt das heute erst Recht. Auch heute wird Austausch, Verständnis und Geld gebraucht. Wie damals ist natürlich auch der Staat gefragt. Nehmen Sie sich bitte ein Vorbild, lieber Herr Wowereit. Aber es sind aber auch Sie alle hier gefragt. Um das zu schaffen, gibt es die Humboldt-Universitäts-Gesellschaft, den Verein der Freunde, der Ehemaligen und Förderer e.V.

 

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zuletzt geändert: 07.12.09 schulzsz
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