Weltwissen
Weltwissen
Berlin als kreative,
geschichtsbewusste Wissenschaftsmetropole erleben
In der HUMBOLDT stellen wir wichtige
Veranstaltungen im Jubiläumsjahr 2009/10 vor. Heute: die Austellung
"WeltWissen". Ein Gespräch mit Jochen Hennig.
Am 24. September 2010 wird die „WeltWissen“ Ausstellung eröffnet und bis zum 9. Januar 2011 im Martin-Gropius-Bau zu sehen sein. Was erwartet mich als Besucher dort?
Sie erwartet ein großer Überblick über 300 Jahre Wissenschaften in Berlin. Ein Panorama von den Anfängen, den Gründungen der Akademie und der Charité über die der Universität bis heute.
Was wird so besonders an dieser Ausstellung?
Im Gegensatz zu gängigen Wissenschaftsausstellungen ist sie Institutionen und Disziplinen übergreifend angelegt, präsentiert Objekte der Wunderkammer ebenso wie archäologische Funde aus dem 19. Jahrhundert und aktuelle Visualisierungstechniken in der Medizin. Thema sind Wissenschaften an einem Ort, nämlich Berlin. Wir versuchen herauszukitzeln, was Berlin als Wissenschaftsstadt zu verschiedenen Zeiten ausgemacht hat, welche Stimmung jeweils vorgeherrscht hat, in welchem Umfeld und in welchen Netzen Berliner Wissenschaft stattgefunden hat.
Wer ist an der Ausstellung beteiligt? Mit wem arbeiten Sie zusammen?
Das sind einmal die Veranstalter, also die Humboldt Universität, die Max- Planck-Gesellschaft, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und die Charité. Beteiligt sind im Rahmen des Wissenschaftsjahres als weitere Institutionen die FU, TU und Staatsbibliothek, zudem Museen als Leihgeber. Aber Wissenschaft macht nicht halt an diesen Institutionengrenzen, sie geschieht vernetzt und so können potenziell sämtliche Berliner Forschungseinrichtungen in den Blick kommen.
Inwieweit beteiligten sich Sponsoren?
Der Hauptanteil der Finanzierung ist durch Gelder der Berliner Klassenlotterie sichergestellt, aber auch die Veranstalter bringen sich ein. Darüber hinaus sind wir noch auf Sponsorengelder angewiesen, beispielsweise für das didaktische Begleitprogramm und die Bewerbung der Ausstellung.
Was ist der konzeptionelle Ansatz der Ausstellung?
Ein Ansatz ist es, Einblicke hinter die Kulissen der Wissenschaft zu geben, zu zeigen, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten, welche Methoden sie verwenden, welche Mühen sie aufbringen. Die Intensität wissenschaftlicher Praxis für den einzelnen soll rüberkommen, aber auch die Präsenz von Wissenschaft in der Gesellschaft. Dies ist ein zweiter Ansatz, Wissenschaft als Impulsgeber gesellschaftlicher Entwicklungen zu begreifen – im Guten wie im Schlechten, wie uns die Berliner Wissenschaftsgeschichte besonders ausgeprägt zeigt.
Wie haben sie die Themen ausgewählt?
Eine Ausstellung lebt von einer abwechslungsreichen Dramaturgie. Sicherlich erwartet das Publikum, Bekanntes zu sehen – einen Leibniz, einen Einstein, eine Meitner, einen Ertl. Aber es wird auch das Überraschende, das Unbekannte geben – Blickverschiebungen machen den Reiz einer Ausstellung aus. Und dann braucht es bei der Fülle von möglichen Themen auch einfach Mut zur Auswahl.
Was soll der Besucher aus der Ausstellung mitnehmen? Was ist Ihr Anliegen?
Da halte ich es mit den Tübinger Kulturwissenschaftler und Ausstellungsmacher Gottfried Korff, nach dem die Besucher nicht belehrter, sondern gewitzter aus der Ausstellung gehen sollen. Selbstverständlich geht es auch darum, Interesse für Wissenschaft zu fördern, jenseits von blinder Gläubigkeit und ablehnender Skepsis. Die Jubilare werden sich präsentieren und der Stadtbezug ist sicherlich auch identitätsstiftend: Die Besucher sollen Berlin als kreative, geschichtsbewusste, international ausgerichtete Wissenschaftsmetropole erleben.
Was reizt Sie persönlich an der Projektleitung dieser Ausstellung?
Neben dem spannenden Thema die Vielfalt der Tätigkeit: Die Ausarbeitung der Inhalte ist immer gepaart mit Überlegungen zu ihrer Umsetzung für die Besucher. Das beinhaltet die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, die sich über Jahre in ein Themenfeld vertieft haben, genauso wie mit Gestaltern, Grafikern und Filmemachern, die unter einer gänzlich anderen Perspektive arbeiten und von außen auf die Inhalte schauen. Es ist spannend, diese Blickwechsel mitzumachen, zwischen ihnen zu moderieren und das Potenzial dieser Zusammenkünfte zu nutzen.
Das Gespräch führte Sabrina Schulze