Wissenschaft
Wissenschaft
Universitäten sollen nicht nur
forschen und lehren, sondern auch Erkenntnisse teilen.
Mit „Humboldt unterwegs“ verlässt die HU ihren
Elfenbeinturm und geht hinaus in die Stadt.
Die Universität hat für ihr Jubiläum sechs Kernprojekte ausgewählt. Diese stellen wir in der HUMBOLDT im Einzelnen vor. Heute: die Veranstaltung „Humboldt unterwegs“. Ein Gespräch mit der Projektleiterin Laura Gronius.
Die Universität wird unterwegs sein. Wohin geht die Reise?
Die Humboldt-Universität wird ihren Elfenbeinturm verlassen und im Stadtgebiet von Berlin unterwegs sein. An sechs Tagen im Mai und Juni 2010 geht es an vielbesuchte Orte, wie etwa den Potsdamer Platz oder den Alexanderplatz. Wir werden aber auch den Kreuzberger Marheinekeplatz und den Helmholtzplatz im Prenzlauer Berg bereisen, also Orte in Wohnbezirken, die das Zentrum eines lebendigen Quartiers bilden.
Was ist die Idee hinter diesem Veranstaltungskonzept?
Universitäten sollen ja nicht nur forschen und lehren, sondern auch ihre Erkenntnisse teilen und sie verständlich machen. Mit „Humboldt unterwegs“ will die Universität sich öffnen für alle Interessierten und auf anschauliche Weise Alltagsphänomene im Stadtleben, die mit der Wissenschaft und ihren Techniken in Verbindung stehen, entschlüsseln sowie Anwendungsfelder der Forschung praxisnah erklären. Wir möchten zeigen, dass Wissenschaft zum Alltag und der Lebenswelt eines jeden Menschen gehört und auch für ein Publikum, das über kein akademisches Wissen verfügt, höchst interessant sein kann. Mit öffentlichen Seminaren, Experimenten und Praxiskursen möchten wir die Berliner dazu einladen, Forschung und Lehre an der Humboldt-Universität kennen zu lernen und sich daran zu beteiligen. Angeregt wurde die Idee zu „Humboldt unterwegs“ übrigens von den während des Unistreiks im Wintersemester 2003/04 improvisierten Aktionen, Seminare auf öffentlichen Plätzen in Berlin abzuhalten. Diese Aktivitäten fanden große Resonanz.
Wie und wer vermittelt den Leuten hier die Wissenschaft?
Ausgangspunkt soll stets eine konkrete Fragestellung aus dem Alltag des Berliner Stadtlebens sein, die eine Verbindung zum Veranstaltungsort hat und in den Zuständigkeitsbereich einer wissenschaftlichen Fachdisziplin fällt. Von Lehrenden und Studierenden erläutert, soll diese Frage auf exemplarische und anschauliche Weise Einblick in die Arbeit der Wissenschaftler geben. So planen wir zum Beispiel am Roulettetisch der Spielbank am Potsdamer Platz in die Wahrscheinlichkeitsrechnung einzuführen. Am Helmholtzplatz fand in den letzten Jahren eine Mietenexplosion und zugleich ein Bevölkerungsaustausch statt. Wir möchten Stadtsoziologen mit Politikern und Anwohnern über die Folgen dieser Entwicklungen diskutieren lassen.
Können auch Humboldtianer mitmachen?
Sie mögen und sollen sogar! Wir nehmen derzeit Gespräche in alle Richtungen auf und möchten alle Humboldtianer, Mitarbeiter wie Studierende einladen, das Programm mitzugestalten. Je mehr Fachbereiche sich beteiligen, umso facettenreicher wird sich die Wissenschaft und Forschung an der Humboldt-Universität widerspiegeln lassen.
Was reizt sie persönlich an diesem Projekt?
Mir gefällt an der Arbeit besonders, einmal die Universität im Ganzen kennenzulernen bzw. einen Querschnitt durch alle Institute und Abteilungen. Ich habe an der HU studiert und kannte doch vorwiegend nur die jeweiligen Fachbereiche. Nun habe ich mit allen zu tun, mit den Mathematikern, den Schlafforschern, den Skandinavisten. So gewinnt die Bezeichnung „Humboldt-Universität“, die man häufig ganz allgemein gebraucht, gerade auf sehr lebendige und sympathische Weise an Konkretheit: durch die Menschen, die sie verkörpern.
Das Gespräch führte Sabrina Schulze