Verraten und Verkauft.
Verraten und Verkauft.
| What | Ausstellung |
|---|---|
| When | 2009-10-14 18:00 to 2009-12-11 21:00 |
| Where | Foyer, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Heilig-Geist-Kapelle, Spandauer Str. 1, 10178 Berlin |
| Contact Name | Joachim Schwalbach, Institut für Management |
| Contact Phone | 030 2093 5634 |
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Eine Ausstellung von Ausgrenzungsprozesse und Überlebensstrategien.
Kleine und mittlere jüdische Gewerbeunternehmen in Berlin 1930 / 31 – 1945.
Ein Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin
Spätestens ab 1933 waren jüdische Unternehmen von der nationalsozialistischen Verfolgung bedroht. Systematisch wurden Waren- und Dienstleistungsströme behindert, Interessenvertretungen und die Industrie- und Handelskammer „gleichgeschaltet“. Schon im Umfeld des Boykotts vom 1. April 1933 kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen, deren schrecklicher Höhepunkt die „Köpenicker Blutwoche“ war. Weitere zum Teil pogromähnliche Krawalle gab es in Berlin im Sommer 1935 und im Juni 1938. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden Tausende jüdische Unternehmen vernichtet. SS, SA und ihre Helfer zerstörten nicht nur die Schaufensterscheiben, sondern ganze Inneneinrichtungen und Lagerbestände, häufig auch Geschäftsunterlagen. Nach dem Pogrom wurde Juden der Betrieb von Einzelhandelsgeschäften und Handwerksunternehmen sowie das Anbieten von Waren und Dienstleistungen per Verordnung verboten. Sämtliche jüdische Unternehmen in Berlin wurden schließlich bis 1945 liquidiert oder an Nicht-Juden übertragen. Im feindlicher werdenden Umfeld entwickelten die jüdischen Unternehmer unterschiedliche Gegenstrategien. Einige versuchten auf dem Rechtsweg gegen die ungerechte Behandlung vorzugehen. Andere besetzten bestimmte Marktnischen oder verstärkten die Auslandskontakte, um als Devisenbringer geschützt zu sein und sich einen Rückzugsweg zu sichern. Viele richteten sich nun erstmals explizit an ein jüdisches Publikum und warben in jüdischen Gemeindeblättern. Die Vielzahl der Gegenstrategien korrespondierte mit der Vielfalt jüdischen Gewerbetreibens in Berlin. In der Ausstellung werden exemplarische Verläufe der Entrechtung und Existenzvernichtung anhand der Geschichten von sechzehn fast vergessenen Berliner Unternehmen und ihren Eigentümern nachvollzogen. Das Gebäude der ehemaligen Handelshochschule im alten Geschäftszentrum Berlins – heute von den Wirtschaftswissenschaftlern der Humboldt- Universität genutzt – ist die dritte Station dieser Ausstellung. In diesem Viertel befand sich nicht nur die Berliner Börse, auch Hunderte jüdische Textilfabrikanten und -händler hatten hier ihre Geschäftsräume.
Ausstellungseröffnung am 14. Oktober 2009 um 18 UhrÖffnungszeiten der Ausstellung: Mo-Fr 9-21 Uhr